Tour-Blog: 23.10. Kiel

Wohnzimmerkonzert in Kiel

Von allen Gastgebern auf dieser Wohnzimmer-Tour kenne ich Katha am längsten. Wir sind auf die gleiche Schule gegangen und entsprechend schon viele Jahre befreundet. Als ich sie zum ersten Mal in ihrer Wohnung in Kiel besuchte, war meine Reaktion: “Hier könnte man prima ein Konzert machen”. Das Wohnzimmer war wunderschön, die Größe perfekt und in der einen Ecke des Raumes gab es einen Erker, der sich hervorragend als Bühne anbot. Seitdem blieb diese Idee bei uns beiden immer im Hinterkopf und wartete nur auf eine gute Gelegenheit zur Umsetzung.

Aber die Zeit vergeht meist schneller, als es Gelegenheiten gibt, und so kommt es, dass Katha inzwischen gar nicht mehr in der Wohnung wohnt. Als ich sie im Sommer das letzte Mal traf, sprach ich sie trotzdem auf die Wohnzimmer-Tour an, die ich plante. Sie hatte nach wie vor Lust auf unsere Idee und meinte, sie hätte noch guten Kontakt zu ihren Nachmietern und die hätten sicher auch Lust auf so etwas. Gesagt, getan, jetzt oder nie. Sie hatten tatsächlich Lust und wir vereinbarten einen Termin, der der Abschluss meiner Tour werden sollte.

Ich komme voller Vorfreude in Kiel an und lerne direkt die beiden Mädels kennen, die jetzt hier wohnen. Sie stellen sich als Magdalena und Annett vor, aber Katha weist mich darauf hin, dass sie in Wirklichkeit Maddi und Netti heißen. Die drei freuen sich ebenso sehr auf den Abend wie ich. In aller Ruhe baue ich auf, alles fühlt sich tatsächlich so gut an, wie ich es mir hier vorgestellt hatte. Unterdessen äußert Katha den Wunsch, dass Maddi vor meinem Konzert ja auch noch was singen könne, weil sie das doch so gerne und toll mache. Sie wirkt etwas überfallen und ist sich nicht ganz sicher, ob das eine gute Idee ist. Katha sagt, ich könne sie ja auf der Gitarre begleiten. Na gut, nochmal gesagt, getan. Während bereits die ersten Gäste eintrudeln, ziehen Maddi und ich uns in das einzige noch ruhige Zimmer der Wohnung zurück und checken aus, ob wir auf die Schnelle was hinbekommen. Es läuft, sie singt wirklich toll.

Vor lauter Vorbereitung habe ich ganz das Essen vergessen, und als Katha sagt, dass wir ja demnächst anfangen könnten, fällt mir auf, dass ich Hunger habe. In Windeseile zaubert sie mir noch einen Wrap, und direkt danach geht es auch schon los. Es sind geschätzte 30 Leute da, das Zimmer ist randvoll. Maddi und ich machen die Vorband, wir spielen “Somewhere only we know” von Keane und “Your Song” von Elton John. Funktioniert super und kommt gut an. Die Stimmung ist toll, es ist extrem gemütlich und ich fange hochmotiviert mit meinem Set an. Heute läuft alles hervorragend, ich fühle mich wohl und genieße jeden Song. Es ist wieder einer dieser Abende, an denen ich gar nicht aufhören mag. Aber natürlich habe ich irgendwann alles gespielt, und ich beende das Konzert mit meinem Zugaben-Song, den ich noch ein letztes Mal ohne Verstärkung spiele. Es gibt sehr langen Applaus, wow.

Da Sonntag ist und ich morgen früh aufstehen muss, wollte ich eigentlich nicht allzu lange bleiben und zeitig nach Hamburg zurück. Im Prinzip hätte ich mir aber denken können, dass das ein Blödsinns-Plan ist. Die Stimmung ist so schön, ich unterhalte mich noch toll, und ein weiteres Mal denke ich: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. So schön die Tour anfing, so schön endet sie. Danke Katha, Maddi und Netti für diesen wundervollen Abschluss.

Tour-Blog: 22.10. Hamburg

Wohnzimmerkonzert in Hamburg

Das Hamburger Wohnzimmerkonzert war das erste, das feststand, und ein bisschen auch der Startschuss für meine Tour-Planung. Ich hatte Harsha im Sommer auf der Geburtstagsfeier von Elin Bell kennengelernt, die mich wiederum kurz vorher bei den Hamburger Küchensessions begleitet hatte. Elin und Harsha hatten schon vor langer Zeit abgemacht, dass Elin mal in Harshas Wohnzimmer ein Konzert spielen würde. Als die Pläne konkretisiert wurden und die beiden überlegten, dass sie gern noch einen zweiten Künstler dazu holen wollen, fiel Harshas Wahl auf: mich. Sie schrieb mich also an, ob ich Lust darauf hätte, und natürlich hatte ich, freute mich und sagte zu.

Am Tag des Konzerts hole ich Elin ab und wir checken noch schnell ein Feature aus. Wenn wir schon ein Konzert zusammen spielen, wollen wir uns wenigstens bei jeweils einem Song gegenseitig begleiten. Elin kennt ihren Melodica-Part zu meinem Song noch von den Küchensessions. Ich schaffe mir schnell eine Gesangsstimme und ein Gitarrensolo für ihren Song “The Recovery” drauf. Halbe Stunde proben, läuft. Wir machen uns auf den Weg zu Harsha, die uns mit einem Leuchten in den Augen die Tür öffnet. Die ganze Woche hat sie sich schon auf den Abend gefreut, erzählt sie uns strahlend. Wie schön!

Harshas Wohnzimmer ist das kleinste der ganzen Tour. Das ist erstmal nicht weiter schlimm, allerdings muss ja heute neben meinem ganzen Kram auch noch Elins Klavier Platz finden. Wir arrangieren uns schnell und finden einen sinnvollen Aufbau. Als alles steht, haben wir den Eindruck, als sei das Zimmer für genau dieses Konzert gebaut worden. Alles passt genau an die Fensterseite des Raumes und fügt sich auch optisch super ins Bild. Mit der richtigen Beleuchtung wird es komplett gemütlich.

Während wir aufgebaut haben, hat Harsha in der Küche leckeres Essen gezaubert. Wir machen uns darüber her und kaum sind wir satt, klingelt es auch schon an der Tür. Harsha freut sich über jeden, der kommt, und schnell ist das Wohnzimmer bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Als Harsha die letzte Person von der Gästeliste abhakt, startet das Konzert mit Elin. Es ist für mich das erste Mal, dass ich ein ganzes Set von ihr erlebe. Bisher hatte ich sie nur mit einer Handvoll Songs bei Sängerknaben & Sirenen gesehen. Ihre Klaviermelodien sind sanft und schön, die glasklare Stimme verzaubert alle Zuhörer. Beim letzten Song spiele ich mit, was wir am Nachmittag geprobt haben, läuft.

Mit fließendem Übergang gehen wir in meinen Teil über. Ich fange direkt mit “Irgendwie vorbeigehen” an, bei dem Elin mich begleitet. Es ist ein ungewohntes aber schönes Gefühl nicht allein zu spielen. Besonders freue ich mich über die eine Zeile, die sie mitsingt, das ist für mich ein Gänsehaut-Moment. Danach geht es wie gewohnt solo weiter, das Publikum ist mir wohlgesonnen und aufmerksam. Hin und wieder sehe ich, wie Harsha meine Texte mitsingt, und freue mich darüber. Bei meinem Clueso-Cover misslingt mir dreimal der Anfangs-Loop, weil ich etwas falsch eingestellt habe und nicht sofort drauf komme, wo der Fehler liegt. Danach klappt’s dafür umso besser und nach dem Konzert sagt Harsha mir, wie sehr sie sich als jahrelanger Clueso-Fan über den Song gefreut hat. Generell freut sie sich den ganzen Abend so sehr über alles, dass man sich automatisch mitfreut. Schöner hätte mein Hamburg-Wohnzimmerkonzert nicht sein können.

Tour-Blog: 21.10. Hildesheim

Wohnzimmerkonzert in Hildesheim

Niko und ich kennen uns seit 2007. Damals habe ich in Lübeck in einer WG gewohnt und er war mit meiner Mitbewohnerin zusammen, deshalb hing er oft bei uns rum. Ein halbes Jahr später zog ich nach Hamburg und Niko und ich haben uns nie wieder gesehen. Bis er sieben Jahre später plötzlich im Grünspan beim Konzert von Enno Bunger und Spaceman Spiff in der Garderoben-Schlange vor mir stand. Seitdem laufen wir uns ständig bei Konzerten über den Weg. Über Umwege bekam er mit, dass ich Orte für eine Wohnzimmer-Tour suchte und so lud er mich in seine WG nach Hildesheim ein.

Ich komme entspannt an der Wohnung an und entdecke als erstes von außen im Fenster eine selbst gebastelte Leuchtwerbung für mein Konzert. Wow! Als ich eintrete, werde ich nett von Nikos Mitbewohnerin begrüßt und in sein Zimmer geführt, wo das Konzert stattfinden soll. Niko ist gerade dabei, den Strahler für die Discokugel an der Decke zu montieren. Nochmal wow! Ich merke, das wird ein guter Abend. Sogar eine kleine Bühne aus zwei Euro-Paletten hat er gebaut, hier ist alles gut vorbereitet. Ich baue in aller Ruhe mein Equipment auf und freue mich vor, die Atmosphäre ist jetzt schon toll.

Während wir beim Essen sitzen, finden sich die ersten Gäste ein. Auf die Frage, wie viele Menschen denn kommen, höre ich die Antwort “irgendwas zwischen 20 und 80”. Die WG hat einfach ungefähr alle eingeladen, die sie kennen. Und so kommen auch eine ganze Menge Leute, ich bin begeistert. Es ist WG-Party-Stimmung, ich unterhalte mich nett und vergesse ganz, das ich ja auch noch ein Konzert spiele. Irgendwann sagt Niko zu mir “ich glaube, wir könnten dann mal anfangen”. Ok, los geht’s. Das Zimmer ist gut gefüllt, es sind etwa 40 Leute da, im Flur stehen auch noch welche. Alles fühlt sich super an, die Stimmung ist toll. Während des Konzerts klingelt es hin und wieder an der Tür oder klopft am Fenster, es kommen immer noch neue Menschen. Einmal mache ich kurz Pause, damit die neu angekommenen sich einen Platz suchen und sich alle gegenseitig begrüßen können. Danach geht das Konzert in Ruhe weiter, ich genieße es zu spielen. Zur Zugabe kündige ich wie immer an, dass ich alles gespielt habe, was ich kann. Aber das Publikum hat noch Lust auf mehr, und Niko bringt mich ein wenig in Verlegenheit, als er sagt “es gab da bei YouTube doch noch diesen John Lennon Coversong von dir”. Ertappt, den gibt es wirklich, aber den hatte ich für die Tour jetzt gar nicht vorbereitet. Ich versuche es trotzdem und bekomme immerhin eineinhalb Strophen hin. Den Leuten gefällt’s und es ist ein schöner Abschluss für dieses schöne Konzert.

Es ist für einen Freitag Abend noch früh und deshalb bleiben die meisten auch noch eine ganze Weile. Das finde ich gut, ich fühle mich wohl und lerne noch viele nette Menschen kennen. Heute ist schon der letzte Abend, an dem ich so richtig unterwegs bin, morgen geht’s schon wieder nach Hamburg. Ich genieße die gute Stimmung und freue mich ein weiteres Mal über diese tolle Tour. Vielleicht sollte ich nur noch Wohnzimmer-Konzerte spielen.

Tour-Blog: 20.10. Leipzig

Wohnzimmerkonzert in Leipzig

Jenny war eine der ersten, die sich auf mein Wohnzimmer-Gesuch hin gemeldet haben. Sie hat mich Anfang des Jahres live gesehen, als ich mit Liza&Kay unterwegs war und die Konzerte mit ein paar meiner eigenen Songs eröffnet habe. Ich komme entspannt und pünktlich in ihrer Wohnung in Leipzig an und werde herzlich von ihr begrüßt. Als erstes entdecke ich die zahlreichen Konzert-Setlists und Autogramme an ihren Wänden. Jenny ist ein echter Musik-Fan. Revolverheld, Tonbandgerät, Von Wegen Lisbeth und Redensart tummeln sich hier, ich bin in guter Gesellschaft. Ganz in Ruhe baue ich auf und unterhalte mich nett mit Jenny, alles ist sehr entspannt. Für die gemütliche Stimmung hat sie extra eine mehrere Meter lange Lichterkette organisiert, die sie einmal um ihr ganzes Wohnzimmer gehängt hat.

Während wir Nudelsalat essen, finden sich nach und nach die Gäste ein und irgendwann beginne ich mit dem Konzert. Wenn man als Künstler ruhige Musik macht, wünscht man sich immer auch ein ruhiges Publikum. Heute ist es so ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören würde. Auf den Teppichboden. Wahnsinn. Ich muss mich zwischendurch vergewissern, ob überhaupt noch jemand da ist. Aber ja, da sitzen sie alle und schauen mich erwartungsvoll an. Gegen Ende meines Sets klingelt es überraschend noch einmal an der Tür. Es sind die Nachbarn aus dem Erdgeschoss, die sich spontan dazugesellen. Eine von ihnen und Jenny stellen fest, dass sie beide bereits seit sechs Jahren im Haus wohnen, aber sich nie richtig kennengelernt haben. Bei 30 Parteien im Haus nicht verwunderlich. Wohnzimmerkonzert bringt Nachbarn zusammen, das gefällt mir.

Nach dem Konzert sitzen wir noch gemütlich zusammen. Jennys zwei Schwestern erzählen mir, dass sie am Morgen um vier Uhr aufstehen müssen. Es ist bereits nach elf. Hui, sportlich. Trotzdem geht der Abend noch bis halb eins. Ich gebe zu, dass ich nicht unbedingt tauschen wollen würde, und bin froh, dass mein Wecker erst um neun klingelt.

Tour-Blog: 19.10. Berlin

Tim Jaacks bei der Open Stage im Prachtwerk Berlin

In Berlin wollte ich eigentlich auch gern ein Wohnzimmerkonzert spielen. Leider hat sich in dieser kleinen Stadt aber niemand gefunden, der eins mit mir veranstalten will. Zum Glück gibt es Alternativen, die man auch kurzfristig noch wahrnehmen kann: Im Prachtwerk Neukölln findet jeden Mittwoch eine Open Stage statt. Für die habe ich mich kurzerhand angemeldet. Da kann man zwar nur zwei Songs spielen, aber dafür bleibt mir heute mal der Auf- und Abbau meiner “Band” erspart. Ein vergleichsweise entspannter Abend also, der mir bevorsteht.

Als ich an der Location ankomme, werde ich schon vor dem Eingang sehr nett von Ben begrüßt, der die Show veranstaltet und auch als Moderator durch den Abend führt. Er begleitet mich hinein in den imposanten Konzertsaal: Die Decke ist gefühlte 10 Meter hoch, eine Wand ist mit Malereien verziert, es gibt eine Bar und viele Sitzplätze in Form von Sesseln und Barhockern. Trotz der Größe ist der Raum gemütlich, die Bühne hat einen rot beleuchteten Vorhang im Hintergrund, ist mit einem Perser-Teppich ausgelegt und es gibt sogar eine Stehlampe. Ein bisschen Wohnzimmer-Feeling also auch hier, wie passend.

Ich treffe die anderen fünf Künstler im Backstage-Raum und wir werden von Ben über den Ablauf informiert. Man merkt Ben an, dass er das schon länger macht: er weiß, worauf es ankommt, und man fühlt sich als Künstler direkt sehr wohl. Einer der anderen kommt auch aus Hamburg, Electric Ghost. Wir sind überrascht, dass wir uns noch nicht kennen. Die Reihenfolge steht vorab fest, ich bin die Nummer 4.

Ben selbst eröffnet den Abend mit zwei eigenen Songs unter seinem Künstlernamen Roemer. Der Raum ist gut gefüllt, es sind knapp 100 Leute da. Ben schafft es tatsächlich alle zum Zuhören zu bringen. Ich habe es mir in der ersten Reihe bequem gemacht und genieße es, auch mal Zuschauer zu sein. Je näher mein Auftritt rückt, um so mehr macht sich aber auch eine kleine Nervosität breit. Es ist schon verrückt, wie so eine Open Stage doch immer wieder aufregend ist. Da spielt man auf der Tour jeden Abend ein volles Konzert und hat die Ruhe weg, aber für zwei Songs an einem gemischten Abend kribbelt’s plötzlich wieder. Es ist eben schon ein Unterschied, wenn man keinen Soundcheck machen kann und nur 10 Minuten Zeit hat die Leute in seine Stimmung zu bringen. Ich spiele “Irgendwie vorbeigehen” und “1000 Wege”. Das Publikum ist aufmerksam und belohnt mich mit einem herzlichen Applaus. Puh, Erleichterung.

Um 22 Uhr ist der Abend vorbei. Ich unterhalte mich noch kurz, verabschiede mich aber schon bald. Ich muss noch ans andere Ende der Stadt, meine Übernachtungsmöglichkeit für heute ist Sebastian alias November Me, mit dem ich letztes Jahr eine Woche lang zusammen auf Tour war und den ich schon seit ein paar Monaten nicht gesehen habe. Ich liebe es auf Tour jeden Tag sowohl neue Menschen kennenzulernen als auch alte Freude wiederzutreffen. Wir sitzen noch eine ganze Weile in der Küche, essen und quatschen, bevor es dann irgendwann ins Bett geht. Eigentlich will ich noch ein paar Mails beantworten, aber mir fallen beim Schreiben die Augen zu. Na gut, dann höre ich mal auf meinen Körper.