Tour-Blog: 20.10. Leipzig

Wohnzimmerkonzert in Leipzig

Jenny war eine der ersten, die sich auf mein Wohnzimmer-Gesuch hin gemeldet haben. Sie hat mich Anfang des Jahres live gesehen, als ich mit Liza&Kay unterwegs war und die Konzerte mit ein paar meiner eigenen Songs eröffnet habe. Ich komme entspannt und pünktlich in ihrer Wohnung in Leipzig an und werde herzlich von ihr begrüßt. Als erstes entdecke ich die zahlreichen Konzert-Setlists und Autogramme an ihren Wänden. Jenny ist ein echter Musik-Fan. Revolverheld, Tonbandgerät, Von Wegen Lisbeth und Redensart tummeln sich hier, ich bin in guter Gesellschaft. Ganz in Ruhe baue ich auf und unterhalte mich nett mit Jenny, alles ist sehr entspannt. Für die gemütliche Stimmung hat sie extra eine mehrere Meter lange Lichterkette organisiert, die sie einmal um ihr ganzes Wohnzimmer gehängt hat.

Während wir Nudelsalat essen, finden sich nach und nach die Gäste ein und irgendwann beginne ich mit dem Konzert. Wenn man als Künstler ruhige Musik macht, wünscht man sich immer auch ein ruhiges Publikum. Heute ist es so ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören würde. Auf den Teppichboden. Wahnsinn. Ich muss mich zwischendurch vergewissern, ob überhaupt noch jemand da ist. Aber ja, da sitzen sie alle und schauen mich erwartungsvoll an. Gegen Ende meines Sets klingelt es überraschend noch einmal an der Tür. Es sind die Nachbarn aus dem Erdgeschoss, die sich spontan dazugesellen. Eine von ihnen und Jenny stellen fest, dass sie beide bereits seit sechs Jahren im Haus wohnen, aber sich nie richtig kennengelernt haben. Bei 30 Parteien im Haus nicht verwunderlich. Wohnzimmerkonzert bringt Nachbarn zusammen, das gefällt mir.

Nach dem Konzert sitzen wir noch gemütlich zusammen. Jennys zwei Schwestern erzählen mir, dass sie am Morgen um vier Uhr aufstehen müssen. Es ist bereits nach elf. Hui, sportlich. Trotzdem geht der Abend noch bis halb eins. Ich gebe zu, dass ich nicht unbedingt tauschen wollen würde, und bin froh, dass mein Wecker erst um neun klingelt.

Tour-Blog: 19.10. Berlin

Tim Jaacks bei der Open Stage im Prachtwerk Berlin

In Berlin wollte ich eigentlich auch gern ein Wohnzimmerkonzert spielen. Leider hat sich in dieser kleinen Stadt aber niemand gefunden, der eins mit mir veranstalten will. Zum Glück gibt es Alternativen, die man auch kurzfristig noch wahrnehmen kann: Im Prachtwerk Neukölln findet jeden Mittwoch eine Open Stage statt. Für die habe ich mich kurzerhand angemeldet. Da kann man zwar nur zwei Songs spielen, aber dafür bleibt mir heute mal der Auf- und Abbau meiner „Band“ erspart. Ein vergleichsweise entspannter Abend also, der mir bevorsteht.

Als ich an der Location ankomme, werde ich schon vor dem Eingang sehr nett von Ben begrüßt, der die Show veranstaltet und auch als Moderator durch den Abend führt. Er begleitet mich hinein in den imposanten Konzertsaal: Die Decke ist gefühlte 10 Meter hoch, eine Wand ist mit Malereien verziert, es gibt eine Bar und viele Sitzplätze in Form von Sesseln und Barhockern. Trotz der Größe ist der Raum gemütlich, die Bühne hat einen rot beleuchteten Vorhang im Hintergrund, ist mit einem Perser-Teppich ausgelegt und es gibt sogar eine Stehlampe. Ein bisschen Wohnzimmer-Feeling also auch hier, wie passend.

Ich treffe die anderen fünf Künstler im Backstage-Raum und wir werden von Ben über den Ablauf informiert. Man merkt Ben an, dass er das schon länger macht: er weiß, worauf es ankommt, und man fühlt sich als Künstler direkt sehr wohl. Einer der anderen kommt auch aus Hamburg, Electric Ghost. Wir sind überrascht, dass wir uns noch nicht kennen. Die Reihenfolge steht vorab fest, ich bin die Nummer 4.

Ben selbst eröffnet den Abend mit zwei eigenen Songs unter seinem Künstlernamen Roemer. Der Raum ist gut gefüllt, es sind knapp 100 Leute da. Ben schafft es tatsächlich alle zum Zuhören zu bringen. Ich habe es mir in der ersten Reihe bequem gemacht und genieße es, auch mal Zuschauer zu sein. Je näher mein Auftritt rückt, um so mehr macht sich aber auch eine kleine Nervosität breit. Es ist schon verrückt, wie so eine Open Stage doch immer wieder aufregend ist. Da spielt man auf der Tour jeden Abend ein volles Konzert und hat die Ruhe weg, aber für zwei Songs an einem gemischten Abend kribbelt’s plötzlich wieder. Es ist eben schon ein Unterschied, wenn man keinen Soundcheck machen kann und nur 10 Minuten Zeit hat die Leute in seine Stimmung zu bringen. Ich spiele „Irgendwie vorbeigehen“ und „1000 Wege“. Das Publikum ist aufmerksam und belohnt mich mit einem herzlichen Applaus. Puh, Erleichterung.

Um 22 Uhr ist der Abend vorbei. Ich unterhalte mich noch kurz, verabschiede mich aber schon bald. Ich muss noch ans andere Ende der Stadt, meine Übernachtungsmöglichkeit für heute ist Sebastian alias November Me, mit dem ich letztes Jahr eine Woche lang zusammen auf Tour war und den ich schon seit ein paar Monaten nicht gesehen habe. Ich liebe es auf Tour jeden Tag sowohl neue Menschen kennenzulernen als auch alte Freude wiederzutreffen. Wir sitzen noch eine ganze Weile in der Küche, essen und quatschen, bevor es dann irgendwann ins Bett geht. Eigentlich will ich noch ein paar Mails beantworten, aber mir fallen beim Schreiben die Augen zu. Na gut, dann höre ich mal auf meinen Körper.

Tour-Blog: 17.10. Bielefeld

Wohnzimmerkonzert in Bielefeld

Das Konzert bei Becci in Bielefeld ist eines der wenigen, die ich über Sofaconcerts gebucht habe. Wir kannten uns also beide vorher nicht. Ihr Wohnzimmer sah auf den Fotos nett aus, ich schrieb sie an, meine Musik gefiel ihr, sie lud mich ein. Perfekt, dass sie auch gleich zu meinem vorgeschlagenen Montag zusagte, ein für Wohnzimmerkonzerte (und Konzerte generell) eher schwieriger Tag.

Becci öffnet die Tür mit den Worten „Ich hoffe, du hast Hunger“. Besser kann man als Musiker nach dreistündiger Autofahrt nicht begrüßt werden. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich kann mich nicht entspannen, bevor mein Equipment steht. Also baue ich in Rekordgeschwindigkeit auf, denn das Essen sieht extrem lecker aus. Zum Glück klappt alles prima, und so kann ich mich schnell über die gebackenen Süßkartoffeln hermachen. Während wir gemütlich essen und quatschen, kommen die ersten Gäste. Schnell füllt sich das Wohnzimmer mit Freunden und Familie. Ich lerne direkt den Gründer der Bielefelder Bar „Plan B“ kennen, in der ich letztes Jahr gespielt habe. Irgendwann signalisiert Becci mir „Die Gemeinde wäre dann jetzt vollzählig“ und ich fange an zu spielen. Alle Sofa-Plätze und Stühle sind besetzt und auch auf dem Boden haben es sich einige auf Kissen bequem gemacht. Das Publikum ist von der ersten Sekunde an aufmerksam, das Spielen macht Spaß.

Technisch läuft es heute nicht ganz rund: Bei meinem Coversong sitzt erst der Loop nicht ganz, zur Hälfte stelle ich fest, dass ich wieder mal ein paar Einstellungen vergessen habe, und dann ist plötzlich auch noch meine Gitarren-Batterie leer. Super, dass wenigstens gleich alles auf einmal schiefgeht, das sorgt für heitere Stimmung. Ich unterbreche kurz und fange den Song danach nochmal an, ab da läuft alles super.

Nach dem Konzert füllt sich mein Gästebuch weiter und ich lerne noch mehr der netten Menschen kennen. Der Abend geht für einen Montag noch recht lang, am Ende sitze ich mit Becci, ihrer Schwester und deren Freund und unterhalte mich noch nett über Musik, Familie und Mark Forster. Ich will gar nicht, dass diese Tour endet, jeder Abend ist so gemütlich und einzigartig.