Tour-Blog: 17.10. Bielefeld

Wohnzimmerkonzert in Bielefeld

Das Konzert bei Becci in Bielefeld ist eines der wenigen, die ich über Sofaconcerts gebucht habe. Wir kannten uns also beide vorher nicht. Ihr Wohnzimmer sah auf den Fotos nett aus, ich schrieb sie an, meine Musik gefiel ihr, sie lud mich ein. Perfekt, dass sie auch gleich zu meinem vorgeschlagenen Montag zusagte, ein für Wohnzimmerkonzerte (und Konzerte generell) eher schwieriger Tag.

Becci öffnet die Tür mit den Worten „Ich hoffe, du hast Hunger“. Besser kann man als Musiker nach dreistündiger Autofahrt nicht begrüßt werden. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich kann mich nicht entspannen, bevor mein Equipment steht. Also baue ich in Rekordgeschwindigkeit auf, denn das Essen sieht extrem lecker aus. Zum Glück klappt alles prima, und so kann ich mich schnell über die gebackenen Süßkartoffeln hermachen. Während wir gemütlich essen und quatschen, kommen die ersten Gäste. Schnell füllt sich das Wohnzimmer mit Freunden und Familie. Ich lerne direkt den Gründer der Bielefelder Bar „Plan B“ kennen, in der ich letztes Jahr gespielt habe. Irgendwann signalisiert Becci mir „Die Gemeinde wäre dann jetzt vollzählig“ und ich fange an zu spielen. Alle Sofa-Plätze und Stühle sind besetzt und auch auf dem Boden haben es sich einige auf Kissen bequem gemacht. Das Publikum ist von der ersten Sekunde an aufmerksam, das Spielen macht Spaß.

Technisch läuft es heute nicht ganz rund: Bei meinem Coversong sitzt erst der Loop nicht ganz, zur Hälfte stelle ich fest, dass ich wieder mal ein paar Einstellungen vergessen habe, und dann ist plötzlich auch noch meine Gitarren-Batterie leer. Super, dass wenigstens gleich alles auf einmal schiefgeht, das sorgt für heitere Stimmung. Ich unterbreche kurz und fange den Song danach nochmal an, ab da läuft alles super.

Nach dem Konzert füllt sich mein Gästebuch weiter und ich lerne noch mehr der netten Menschen kennen. Der Abend geht für einen Montag noch recht lang, am Ende sitze ich mit Becci, ihrer Schwester und deren Freund und unterhalte mich noch nett über Musik, Familie und Mark Forster. Ich will gar nicht, dass diese Tour endet, jeder Abend ist so gemütlich und einzigartig.

Tour-Blog: 16.10. Rheinbach

Wohnzimmerkonzert in Rheinbach

Von Rheinbach hatte ich bis zu Melanies Anfrage noch nie gehört. Melanie ist eine Freundin von Kerstin, bei der ich am Tag zuvor in Köln gespielt habe. Als sie meine Ankündigung für das Konzert bei Facebook sah und las, dass ich noch freie Termine habe, schrieb sie mich an. Sie war eh gerade kurz davor sich bei SofaConcerts anzumelden, und so war mein Aufruf letztlich der Auslöser, mich als ersten Musik-Act in ihr Wohnzimmer einzuladen.

Das Konzert fällt ein wenig aus der Reihe, weil es das einzige ist, das am Nachmittag stattfindet. Melanie hat Kinder und Freunde mit Kindern, deshalb haben wir eine familienfreundliche Zeit ausgemacht. Als ich ankomme, werde ich herzlich empfangen und baue in Ruhe auf. Das Wohnzimmer ist bereits nett hergerichtet und mit reichlich zu essen und zu trinken bestückt. Die Terrassentür steht offen, draußen sind für Oktober sehr warme 20 Grad. Ungewohnte Verhältnisse, aber nach dem Soundcheck kann ich noch ein wenig Sonnenschein genießen, auch nicht verkehrt.

Während ich auf der Terrasse sitze, finden sich im Wohnzimmer die Gäste ein. Ich fange an zu spielen, alles läuft super. Die Atmosphäre ist durch das Tageslicht ungewohnt für mich, aber die Zuhörer lassen sich gut auf das Konzert ein. Ich stelle fest, dass ich gut im Flow bin, die nebenbei rumwuselnden Kinder bringen mich nicht aus dem Konzept. Wäre dies das erste Tour-Konzert, hätte ich sicher irgendwo abbrechen müssen. Aber alles läuft prima, den Leuten gefällt’s und nach dem Konzert unterhalte mich noch nett.

Direkt im Anschluss baue ich ab und habe einen freien Abend vor mir. Ebenfalls ungewohnt, aber tut mir zur Abwechslung auch mal ganz gut. Das gibt mir Gelegenheit die ganzen schönen Eindrücke der letzten Tage mal in Ruhe zu verarbeiten. Ich falle müde aber glücklich ins Bett.

Tour-Blog: 15.10. Köln

Wohnzimmerkonzert in Köln

An normalen Tagen ist das querbeet in Köln ein Geschäft für Kinderartikel. Hier kaufen Eltern für ihre Kleinen Strampelanzüge, Rasseln, Schulranzen oder Turnschuhe. Für heute haben Sandra und Kerstin den Laden umfunktioniert: Das Schaufenster wurde freigeräumt und dient als winzige Bühne, davor haben sie ein paar Stühle gestellt. Der Raum ist nicht groß, aber das gefällt mir.

Ich bin heute extra früh da, damit ich in Ruhe aufbauen kann. Das entspannt mich. Mein alter Schulfreund Basti, über den ich Kerstin kenne, ist auch da und hilft beim Aufbauen und Dekorieren. Er hat noch eine Stehlampe und ein paar Kerzen für’s Wohnzimmer-Feeling mitgebracht. Das Vorbereiten macht Spaß, alle freuen sich auf den Abend und wir haben das Gefühl, dass es schön wird. Erst jetzt nehme ich das heimliche Highlight des Ladens war: Am Tresen gibt es eine Popcorn-Maschine! Ich freue mich vor und ziehe mich noch schnell um: Wenn ich schon ein Popcorn-Shirt habe, dann passt es heute am besten.

Draußen wird es dunkel und der Raum mit der Beleuchtung richtig gemütlich. Die ersten Gäste kommen an, einige bringen ihre Kinder mit. Es ist familiär und herzlich. Als ich mit dem Konzert beginne, ist der Raum komplett voll mit erwartungsfreudigen Gesichtern. Ich fühle mich sehr wilkommen und das Spielen macht großen Spaß. Obwohl hin und wieder die im Hinterzimmer spielenden Kinder die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist das Publikum durchgehend bei mir und hört mir zu. Nach „Kapitulation“ kommt aus einer Ecke ein „Boah“, was ich dem Klang nach interpretiere als „da hast du jetzt aber ganz schön die Stimmung gedrückt“. Ich soll einen Witz erzählen, damit es allen wieder gut geht. Darin bin ich kein Profi, aber das Publikum weiß sich auch selbst zu helfen: während ich die Gitarre stimme, erzählen sie sich einfach gegenseitig Witze.

Nach dem Konzert bleiben die meisten Gäste noch da. Ich bekomme Popcorn, fühle mich prima und unterhalte mich nett mit einigen Leuten. Im hinteren Teil des Ladens entwickelt sich innerhalb der nächsten Stunden ein kleiner Dancefloor. Kerstin hatte vorgestern Geburtstag, und deshalb ist der heutige Abend für sie auch eine Geburtstagsfeier. Eigentlich baue ich mein Equipment immer am Abend noch ab, aber ich lasse mich von der guten Musik anstecken und tanze mit. Das Equipment kann bis morgen warten. Ich sagte es schon einmal, man muss die feste feiern, wie sie fallen. Und so nimmt auch dieser rundum gelungene Abend einen wunderbaren Abschluss.

Tour-Blog: 14.10. Saarbrücken

Wohnzimmerkonzert in der Ligatura in Saabrücken
Das bin ich mit Olli und Marco alias Citizen Tim nach unserem Konzert in Saarbrücken. Olli kenne ich noch nicht lange, wir haben uns dieses Jahr im Mai auf einem Mikroboy-Konzert im Saarland kennengelernt. Er betreibt in Saarbrücken den Coworking Space Ligatura, in den er mich auf ein Wohnzimmerkonzert eingeladen hat. Obwohl es kein echtes Wohnzimmer ist, sondern vielmehr ein langer, hoher, stilvoll renovierter Raum in einem alten Industriegebäude, hat er sich alle Mühe gegeben, die extra für das Konzert aufgebaute Bühne so herzurichten, dass es wie ein Wohnzimmer aussieht: Es gibt einen riesigen gemütlichen Teppich, eine Stehlampe und ein paar Pflanzen. Toll! Ich komme ein bisschen spät an, weil ich mich in der Zeit vertan habe, aber der Soundcheck läuft dank Ollis Hilfe zum Glück gut und wir sind rechzeitig fertig. Die ersten Gäste finden sich ein und werden mit Kaffee von den Brew Brothers versorgt, die im Eingangsbereich eine kleine Kaffeebar betreiben.
Dieser Abend ist der einzige der Tour, an dem ich einen Support-Act habe: Citizen Tim eröffnet mit wunderschönen, warmen Gitarren-Pickings und singt dazu englischsprachige Melodien, die direkt ins Herz gehen. Der Sound ist toll, alle hören gebannt zu.

Ich übernehme die Bühne und blicke in wohlwollende Gesichter. Alles fühlt sich richtig an, ich bin entspannt, und heute klappt auch zum ersten Mal mein neuer Coversong ohne Fehler. Dritter Tour-Tag, der Flow ist da. Es ist übrigens das allererste Konzert, das in der Ligatura stattfindet, aber es fühlt sich so an, als hätte es hier nie etwas anderes gegeben. Olli hat hier wahrlich einen tollen Raum geschaffen. Nach dem Konzert erhalte ich viele tolle Rückmeldungen und auch mein Gästebuch ist um ein paar schöne Einträge reicher.

Am nächsten Morgen gibt es noch ein gemütliches Frühstück, bevor mir Olli zum Abschied noch das Highlight der Ligatura präsentiert: Das Holodeck. Mit seinem Kollegen zusammen hat er hier einen Raum mit einer Virtual Reality Brille eingerichtet. Ich darf es ausprobieren und finde mich erst als Taucher auf dem Meeresgrund mit leuchtenden Quallen und Fischen wieder, und danach besteige ich noch den Mount Everest. Super, hab ich das auch von meiner To-Do-Liste abgehakt. Was man auf Tour nicht alles erlebt.

Tour-Blog: 13.10. Tübingen

Wohnzimmerkonzert in Tübingen

Ich kannte Ilja nicht, aber er kannte mich. Als ich vor zwei Jahren meinen Überraschungsgast-Auftritt bei TV Noir hatte, war er gerade Praktikant bei dieser schönen Show. Ich bin ihm im Gedächtnis geblieben, und als ich bei Facebook und in meinem Newsletter fragte, wer Lust auf ein Wohnzimmerkonzert hat, lud er mich zu sich nach Hause in Tübingen ein.
Ilja wohnt in einer riesigen WG. Insgesamt zehn Menschen und eine Katze teilen sich ein großes Haus, das sie liebevoll „Luginsland“ nennen. Ich werde direkt sehr herzlich von Ilja begrüßt. Er gibt mir eine Führung durch zwei der drei Stockwerke und ich lerne Simon, Alexandra, Vera, Martin und Val kennen. Val stellt sich mir direkt als mein Tontechniker für heute Abend vor. Wow! Wohnzimmerkonzert mit eigenem Techniker, das ist mal entspannt. Sogleich stellt sich heraus, dass wir das Konzert auch gar nicht im Wohnzimmer machen (obwohl es eins gibt), sondern im Saal (ja, den gibt es auch). Im Saal steht nicht nur eine eigene Bar, sondern auch ein Billardtisch, ein Konzertflügel und viele Sofas, Sessel und Sitzkissen. Ich bin begeistert.

Der Raum füllt sich schnell mit Menschen. Ich dachte ja, wenn man eine Wohnzimmer-Tour macht, sind jeden Abend 10-20 Leute da, aber hier sind direkt mal 40. Wahnsinn! Schon vor meinem Konzert führe ich spannende Gespräche und unterhalte mich gut mit den Gästen und den Bewohnern. Irgendwann fange ich an zu spielen und von der ersten Sekunde an fühle ich mich wohl. Der ganze Raum hört mir zu, die Atmosphäre ist offenherzig und warm. Weil ich so viel Spaß habe und niemand möchte, dass ich aufhöre, spiele ich noch einen Cover-Song mehr als üblich. Mein Echt-Cover „Alles wird sich ändern“ kennt überraschenderweise niemand. Lieber hätten alle „Du trägst keine Liebe in dir“ gehört. Als erste Zugabe komme ich auf diesen Wunsch zurück und probiere, ob ich den Song spontan hinbekomme. Es klappt und alle singen mit. Verrückt. Den letzten Song spiele ich wieder ohne Verstärkung. Ich mag gar nicht aufhören, aber ich habe keine Songs mehr. Zweiter Tourtag und schon wieder so ein intensives Konzert, ich bin glücklich und dankbar.

Der Abend geht noch lang und das ist auch gut so. Am nächsten Morgen baue ich meinen Kram ab und setze mich noch mal an den Flügel. Ilja, Vera, Alex und Lena (du hast es oft nicht leicht!) gesellen sich mit Gitarre, Glockenspiel und Melodica dazu und wir singen zusammen ein paar Lieder. Spontane Sessions sind doch was feines. Und in diesem Fall ein wunderbarer Abschluss für ein wunderbares Konzert-Erlebnis in einem wunderbaren Haus mit wunderbaren Bewohnern.